Klout: Wie einflussreich sind Sie im Netz?

Je größer die eigene Reputation, desto größer auch der Einfluss auf die Ansichten und Handlungen anderer Menschen. Dieses seit Jahrhunderten gültige Prinzip wurde nun auch in die digitale Welt übertragen: Klout, abgeleitet vom englischen “clout”, zu Deutsch Durchsetzungsvermögen, Schlagkraft oder auch Einfluss, ist ein 2009 gegründeter Datendienstleister. Mit Hilfe eines streng geheim gehaltenen Algorithmus wird die Nutzeraktivität in jedem großen sozialen Netzwerk gemessen und daraus ein Rating (die “Reputation”) erstellt. Dieser so genannte Klout-Score kann für jede Person bzw. jede Marke zwischen 0 (Minimum) und 100 (Maximum) liegen und soll den Einfluss auf die vernetzten Mitglieder in den sozialen Medien widerspiegeln.

 

Einflussreich wie Justin Bieber

Die “Reputation” wurde in den USA bereits zur digitalen Währung. Personaler entscheiden auf Grundlage des Klout-Scores, welcher Bewerber beispielsweise für freie Posten im Bereich Marketing/ Social Media die beste Wahl wäre, ein Hotel in Las Vegas verschenkte kostenlose Zimmer-Upgrades an Gäste mit hohem Score, um indirekt Werbung für sich zu machen. Die Klout, Inc., ansässig in San Francisco und mit inzwischen rund 40 Mitarbeitern bereits so groß wie Google im Jahr 1999, hat einen neuen Maßstab zur Bewertung von Menschen geschaffen. Wer viele Freunde bei Facebook, Kontakte bei Google+ und Follower bei Twitter hat, auf Instagram, Linkedin, Foursquare und Wikipedia aktiv ist, zusätzlich vielleicht einen Blog über Blogger oder WordPress betreibt – dessen Chancen stehen gut, als so genannter “Influencer”, quasi Meinungsmacher, zu gelten. Dieser darf sich dann gute Chancen ausrechnen, wenn er sich einmal bei einer (amerikanischen) Marketing-Abteilung bewirbt – und wenn nicht, fühlt es sich wahrscheinlich dennoch großartig an.

 

Natürlich wird der Algorithmus, welcher vollautomatisiert die Scores eines jeden Nutzers errechnet, nicht veröffentlicht. Auch, wie man ihn in die Höhe treiben kann, ist mehr Test-and-Fail als geprüfter Weg. Sicher ist jedoch, dass die Quantität – die Anzahl der Freunde/ Follower/ Abonnenten/…, die Anzahl und Häufigkeit der Posts und die Reaktionen darauf in Form von Kommentaren, Likes, Shares, Empfehlungen, Re-Tweets etc. in die Berechnung einfließen.

 

Im Durchschnitt liegt der Klout-Score aller registrierten Nutzer etwa bei 40, gab das Unternehmen bekannt. Ab einem Score von etwa 60 gilt man gemeinhin als akzeptabel einflussreich. Zu den führenden Meinungsmachern gehören, gemessen an ihren Klout-Scores, Britney Spears mit 94, die amerikanische Moderatorin und Komikerin Ellen deGeneres mit 90 sowie Teenie-Schwarm Justin Bieber mit 93.

 

Klout ist Trend

In den USA wurde das Klout-Konzept weiter entwickelt und beinhaltet nun auch die so genannten “Perks”, zu Deutsch so viel wie Boni oder Vergütungen. Diese “Perks” – Produkte, Kostproben, Probefahrten oder Reisen usw. – können Meinungsführer mit sehr hohem Klout-Score von Unternehmen erhalten, damit diese ihren Followern und Freunden davon berichten (und natürlich bewusst oder unbewusst zum Kauf dieser anregen).

 

Doch es hat sich noch weitaus mehr um den Datendienst herum entwickelt. Das Analyse-Tool HootSuite zeigt den Klout-Score an. Es existiert ein Firefox-Add-on, welches die Klout-Scores der Twitter-Follower direkt in der Timeline anzeigt. Und einige Datingseiten haben sich auf das Verkuppeln von Paaren anhand ihres Scores spezialisiert.

 

Hinter dem schönen Schein

So hilfreich der Klout-Score auch sein kann, wenn er als eines von vielen Bewertungskriterien z.B. für die Suche nach einem Kooperationspartner oder Markenbotschafter herangezogen wird, so kritisch sind jedoch auch die Schattenseiten des Dienstes.

 

Ob man Menschen (und nochmals, Menschen) über die bereits etablierten, strikten Standards wie Abschlussnote oder Punktezahl beim Assessment Test hinaus durch einen Wert definieren sollte, der angibt, Auskunft darüber erteilen zu können, wie einflussreich eine Person ist, – dies ist wohl eine Frage von Philosophie und Weltanschauung. Doch dass Klout nicht nur für den registrierten Nutzer selbst ein Profil anlegt, sondern auch für jeden bisher unbekannten Nutzer, der in den Freundeslisten auftaucht, das ist datenschutztechnisch zumindest fragwürdig. Beinah jeder hat einen Klout-Score, der von jedem anderen Nutzer angesehen werden kann, ob er nun möchte oder nicht. Nur dadurch, dass er mit jemandem befreundet ist.

 

Die “Löschung” des eigenen Klout-Profils stellt ebenfalls Hürden dar – der Menüpunkt ist gut versteckt und heißt “Opt-out”.

 

Wie wird man “Influencer”?

Um die eigene Online-Reputation nach oben zu treiben, gilt es zunächst, sich eine Basis aufzubauen. Sie müssen in verschiedenen großen, sozialen Netzwerken aktiv sein, da auf diese Weise der Klout-Algorithmus eine größere Anzahl an Signalen erhält. Quantität geht hier vor Qualität – also erhöhen Sie auch die Anzahl Ihrer Posts und passen Sie diese so an, dass sie vermutlich eine hohe virale Reichweite erreichen werden (vor allem multimediale Inhalte eignen sich hierfür bestens) und reagieren Sie auf die Reaktionen Ihrer Freunde/ Follower. Solche Nutzeraktivität – Kommentieren, Liken, Teilen/ Re-Tweeten usw. – ist wichtiger Bestandteil der Bemessung Ihrer “Reputation”. Auch regelmäßiges Posten hilft, den Klout-Score zu verbessern.

 

Zudem kann es nicht schaden, sich an die Fersen von Personen oder Marken zu heften, welche bereits recht erfolgreich sind und als einflussreich gelten. Nehmen diese und deren Freunde Ihre Posts wahr, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese auf sie reagieren oder sie sogar teilen/ re-tweeten.

 

Wikipedia und Blogs, die über Blogger und WordPress betrieben werden, sind ebenfalls Teil des Klout-Algorithmus. Es kann also durchaus hilfreich sein, anzustreben, einen Wikipedia-Artikel über Ihre Person oder Marke zu erstellen oder mehr Aktivität auf Ihrem Blog zu erzielen.


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